Es geschah am Heiligabend, 19 Uhr. Für eine erkrankte Verwandte fuhr ich zur Notfallapotheke, weit außerhalb der Stadt. Eine junge Mutter stand bereits vor dieser Metallklappe, die so einladend wirkte wie ein Gefängnisfenster, und beschrieb die Symptome ihres Neugeborenen. Es regnete und so erbarmte sich die zierliche Apothekerin uns beiden; sie entfernte die Panzerkette und schloss die Tür auf: „Kommen Sie doch eben schnell herein.“ Gern, ich hatte nie zuvor eine Apotheke während ihres Notdienstes betreten, eine nette Dame. Sie verschloss die Tür hinter uns nicht – was sie noch bereuen sollte.

Die Mutter trat zur Theke vor, ich wartete in gebotenem Abstand. Da trat eine dunkle Gestalt ein, augenscheinlich nicht aus unseren Breiten; ein Mann mit tiefschwarzem Bart, an dessen Dichte jede Heckenschere gescheitert wäre, untersetzt und kräftig, dazu eine Bomberjacke, Halbglatze, das Handy am Ohr. Ein Orientale würde sagen, dass er telefonierte. Aber er schrie, schrie auf Arabisch in einer Notfallapotheke, in der man den Fall einer Nadel gehört hätte.

Die Augen der Apothekerin ließen ihn nicht mehr los. Sie sprach noch mit der Mutter, ihre Aufmerksamkeit jedoch galt allein dem Eindringling. Ihre Gesichtszüge hatten sich verändert, aus Freundlichkeit wurde Sorge, wurde Angst. Als ich an der Reihe war, hatte sich schon Panik entwickelt. Ihre Stimme klang dünn, ihre Hände zitterten. Sie konnte sich kaum auf meine Symptombeschreibung konzentrieren, ihr Kopfkino zeigte sie wohl schon auf einem IS-Sklavenmarkt niederknien. Endlich gab sie mir ein Medikament, ich bezahlte. Als sie mir das Wechselgeld reichte, lehnte sie sich weit über die Theke und flüsterte mir hastig ins Ohr: „Können Sie bitte noch einen Moment bleiben?“ „Klar“, sagte ich und wandte mich scheinbar den Zeitschriften zu.

Der Störenfried trat vor. Sein Deutsch war so gebrochen, wie sein Arabisch laut war; ein Flüchtling wie aus dem Bilderbuch. Das dachte auch die Apothekerin, die nicht nur einmal zu mir rüberschaute. Mit Händen und Füßen erklärte er seine Symptome, ohne aber sein Telefonat zu unterbrechen. Es ging letztlich um Kopfschmerzen, Ibuprofen 400, bezahlt, fertig. Er sagte: „Tschuuuss“, und dampfte ab.

Auch ich ging hinaus, da eilte die Apothekerin zur Tür: „Vielen herzlichen Dank! Schöne Feiertage!“ Ich hätte gerne geantwortet: „Vielleicht plante ich, Sie zu überfallen, und wartete nur ab, bis der Araber wegging – hat Sie meine deutsche Erscheinung getäuscht?“ Aber um ihren Herzinfarkt zu vermeiden, sagte ich: „Danke, Ihnen auch.“

Ihr freundliches Gesicht kehrte zurück, sie schloss die Tür hinter mir zu, sicherte sie mit der Panzerkette. Sie wird nie wieder so leichtsinnig sein.


Diese wahre Begebenheit lehrt vieles; das irrationale Verhalten der Apothekerin stand dem klischeehaften Auftritt des Flüchtlings – falls er denn einer war – in nichts nach. Ich werde dich nicht mit einer Liste der Lehren langweiligen. Ich stelle dir nur eine Frage: Unter den Schiiten geht das Gespenst des Schiiten hassenden Flüchtlings aus Syrien um, der die IS-Flagge in Deutschland schwenkt und seine Kinder gegen uns indoktriniert. Was hat dies mit obiger Geschichte zutun, siehst du Parallelen?

Autor: Huseyin Özoguz

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