Ibrahim Al-Zakzakiy (Zakzakiy bedeutet „aus Zazzau“) ist am 5. Mai 1953 als fünftes Kind seines Vaters in der nordnigerianischen Provinzhauptstadt Zaria (ehemals „Zazzau“) geboren. Er besuchte keine staatlichen Grund- oder Mittelschulen, stattdessen lernte er seit frühestem Kindesalter in traditionellen Qur’anschulen. Im Alter von 16 Jahren besuchte er erstmals eine staatliche Schule; eine Arabischsprachschule für angehende Arabischlehrer, anschließend die berühmte Hochschule für Arabischstudien, welche er 1975 – in Rekordzeit – absolvierte. Er interessierte sich aber auch für andere Fächer, studierte Wirtschaft und Politik, und schloss diese 1979 mit dem Bachelor ab.

Schon als Student war er politisch aktiv: Er war Mitglied der „Muslimischen Studentenorganisation“ und wird als führender Lenker hinter den Studentenunruhen 1978 bezeichnet – damals forderten die Studenten die Einbindung der Scharia in die neue Verfassung. Ein Jahr später wurde er als Vizepräsident dieser Studentenorganisation auch offiziell als Führungsperson landesweit bekannt. Aber auch während seiner politischen Aktivitäten studierte er weiter Islamwissenschaften unter den verschiedensten Lehrern (hier eine Liste).

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Mit dem Sieg der Islamischen Revolution im Iran begann auch die Ausbildung nigerianischer Gelehrter dort, zu den ersten von ihnen gehörte Scheich Zakzakiy. In dieser Zeit wurde die „Islamic Movement in Nigeria“ (IMN) gegründet: eine Bewegung bewusster Muslime, die sich dem islamischen Erwachen in Nigeria widmete. Etwa die Hälfte der Bevölkerung Nigerias war Muslime (dies ist bis heute so), fast ausschließlich Sunniten. Scheich Zakzakiy wurde der Führer dieser Bewegung und ist es bis heute. Durch seine Lehren und sein Auftreten wandten sich hunderttausende Nigerianer der Schia zu, Schätzungen gehen heute von bis zu drei Millionen Schiiten in Nigeria aus. Die IMN ist aber bis heute eine gemeinsame Bewegung von Sunniten und Schiiten.

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Scheich Zakzakiy ist dafür bekannt, den Islam keineswegs als reine Privatreligion zwischen dem Individuum und Allah (swt.) zu verstehen, sondern als Richtschnur für Politik und Gesellschaft insgesamt – wie er auf der Imam Chomeini Konferenz 2009 in Tehran betonte.

Der (englischsprachige) Vortrag Scheich Zakzakiys auf der „Imam Chomeini Konferenz“ 2009 in London. Titel: „Der Einfluss Imam Chomeinis außerhalb des Iran“.

So stellte er sich auch stets gegen die Unterdrückung – im eigenen Land und weltweit. Im Jahre 2008 organisierte er im Rahmen der IMN sogar eine Konferenz in Nigeria über die „Die Errichtung des illegalen Staates Israel“. Damit zog er erstmals die Aufmerksamkeit der globalen Gewaltherrscher auf sich, insbesondere des westlichen Imperiums, welche in Folge einige Hetzartikel über ihn und die IMN verbreiteten.

Obwohl er stets Gewalt ablehnte und ausschließlich friedlich auf die Missstände und Unterdrückung in Nigeria hinwies (Nigeria ist seit Jahrzehnten ein instabiler Staat wechselnder Militärdiktaturen), wurde er mehrmals verhaftet, seine Gemeinde immer wieder eingeschüchtert. Bisher wurde er sieben Mal inhaftiert und verbrachte insgesamt neun Jahre in verschiedenen Gefängnissen des Landes – die jüngste Verhaftung nicht eingerechnet.

Letztes Jahr, am 25. Juli 2014, fand ein Massaker statt: Die nigerianische Armee – infiltriert durch IS-nahe Terroristen, gekauft mit saudischem Geld – ermordete 35 Teilnehmer des nigerianischen Quds-Tages, darunter auch drei Söhne Scheich Zakzakiys.

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Nigerianische Soldaten posieren mit IS-Flagge

Der Einfluss Scheich Zakzakiys und der IMN wuchs dennoch von Jahr zu Jahr an. Dieses Jahr waren die Bilder der nigerianischen Muharram-Trauermärsche besonders präsent. Viele fragten sich, wo denn „plötzlich“ so viele afrikanische Schiiten herkämen – da uns zuvor in Deutschland die seit Jahrzehnten existierende Bewegung in Nigeria nie aufgefallen war.

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Muharram 2014 in Nigeria

Nun also ein erneutes Massaker von schrecklichem Ausmaß: Am letzten Samstag, den 12. Dezember, schossen nigerianische Soldaten auf einen Trauerzug zu Arba’in. Die zu einem Anwesen der IMN fliehenden Muslime wurden von den Soldaten belagert, das Anwesen, in dem auch Scheich Zakzakiy mit seiner Familie lebte, wurde gestürmt, in Brand gesteckt und die unbewaffneten Anhänger Scheich Zakzakiys wurden niedergeschossen: über 400 Tote, wie eine Tochter Zakzakiys in einem Interview mit Press-TV (telefonisch aus Dubai) berichtete – manche Berichte sprechen inzwischen von über 1000 Toten. Während des Massakers wurde seine Ehefrau, bisherigen Informationen zufolge, schwer verletzt. Drei seiner insgesamt neun Kinder fanden das Martyrium. Scheich Zakzakiy selbst wurde verletzt und von den Militärs inhaftiert. Weitere Informationen zu seinem aktuellen Gesundheitszustand sind bisher nicht bekannt.

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Das nigerianische Militärregime begründete das Massaker durch angebliche Straßensperren und Waffengewalt der um Imam Hussein (a.) trauernden Schiiten. Bei der Auflösung der Straßensperren wäre es zu Gefechten gekommen. Augenzeugen berichten hingegen, dass das Militär nach dem Massaker neben die hunderten Leichen Waffen legte, um deren Gewalttätigkeit für die eigene mediale Propaganda festzuhalten.

Scheich Zakzakiy nach dem Massaker, vermutlich schwer verletzt
Scheich Zakzakiy nach dem Massaker, vermutlich schwer verletzt

Die westlichen Medien schweigen weltweit, bis auf vereinzelte Ausnahmen. Die Unterdrückung und Verfolgung der Muslime nimmt weltweit immer gigantischere Ausmaße an: Wo immer Muslime sich auf die Seite der Islamischen Befreiungsideologie unter Führung Imam Chamene’is stellen, werden sie angegriffen, verfolgt und abgeschlachtet – während die „Schiiten“ und „Sunniten“, die mit den Unterdrückern paktieren, weltweit unterstützt und hofiert werden.

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Möge Allah (swt.) die Geschwister in Nigeria unterstützen und ihre Erfolge mehren. Möge diese erneute Unterjochung der Anhänger der revolutionären, lebendigen Schia unsere Augen dafür öffnen, wer auf der Seite der Wahrhaftigkeit steht – und wer nicht.

Autor: Huseyin Özoguz


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